Führhundhalter kommen zu Wort

Vanessa &Daki

 

Ich weiß gar nicht, wo ich am besten anfange. Aber ich versuche es mal, so strukturiert wie möglich. Ich hoffe, der Text wird nicht zu lang.

Für mich war schon als kleines Mädchen klar, dass ich, sobald es möglich ist, einen Führhund möchte. Wir hatten schon immer Deutsche Schäferhunde, weshalb ich immer davon geträumt habe, auch einmal selbst solch einen Hund zu haben. Bis dorthin war es allerdings ein langer Weg. Ein paar Monate nach meinem 18. Geburtstag fing ich dann an, mich über mehrere Führhundschulen zu informieren. Zunächst habe ich mit dabei auf die in meiner Nähe beschränkt. Allerdings gab es da ein Problem. Keine dieser Schulen bildet Schäferhunde aus. Ich wollte mich dann damit abfinden, zumal mir ein paar Leute von einem Schäferhund als Führhund abgeraten hatten. Allerdings ließ mich der Gedanke einfach nicht los. Ich konnte nicht glauben, dass nirgendwo mehr Schäferhunde ausgebildet werden. Ich wagte mich bei meiner Recherche dann immer weiter in den Norden, bis ich Frau Haags Schule fand. Ich war sofort begeistert von den so süßen Beschreibungen der Hunde. Und das Tollste, es gibt Schäferhunde. Da war alles klar. Ich habe sofort bei Frau Haag angerufen. Ich erfuhr, dass sie gerade eine neue Schäferhündin hatte, die ich kennenlernen durfte. Ich wollte den frühstmöglichen Termin. Ein paar Wochen später machte ich mich mit meinem Freund und meinem Bruder auf die Reise, um Frau Haag, ihre Schule, Juliana und natürlich meine Daki kennenzulernen. An diesem Tag war Daki ganz nass, da sie gerade von einem Spaziergang im strömenden Regen wieder kam und abgeduscht wurde. Trotzdem hat sie sofort gewonnen. Ich fühlte mich bei Frau Haag und Juliana sofort wohl. Sie beantworteten alle meine Fragen sehr geduldig und waren in jeder Hinsicht ehrlich zu mir.

Nachdem ich nach den 3 Nächten, die ich über meine Entscheidung schlafen sollte, endlich anrufen konnte, dass ich Daki unbedingt möchte, begann erst einmal ein sehr langer Kampf. Meine Krankenkasse war nämlich leider nicht so davon überzeugt, dass ich unbedingt Daki und keinen anderen Hund brauche. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Frau Haag bedanken, dass sie auch hier so viel Geduld hatte und Daki niemand anderem gegeben hat.

Der Kampf mit der Krankenkasse dauerte fast so lang wie Dakis Ausbildung. Im September war es dann endlich soweit. Juliana kam abends, nachdem sie viele viele Stunden im Stau stand völlig erschöpft an. Ich konnte es kaum erwarten. Wir gingen dann noch eine kleine Runde und dann nahm Juliana Daki noch einmal mit ins Hotel.

Am nächsten Tag ging es dann richtig los. Am Anfang gingen wir viel spazieren, übten die Leinenführigkeit und machten Gehorsamstraining. Daki ist ein Traum von Hund im Freilauf. Sie kommt sofort freudig angerannt, wenn man sie ruft. Allerdings war es für meine Maus am Anfang sehr schwer, auf mich zu reagieren, weil sie so sehr an Juliana hing. Es wurde aber immer besser.

Dann ging es auch endlich ins Geschirr. Zuerst übten wir, geradeaus zu laufen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl zum ersten mal von einem Hund geführt zu werden. Es kam dann immer mehr und mehr dazu. Bodsteinkanten, Treppen, Zug fahren, Eingänge suchen und vieles Mehr. Am ersten Wochenende, an dem Daki und ich alleine im Geschirr unterwegs waren, haben wir uns gleich mal verlaufen. Wir waren unterwegs zum Bäcker, um Brötchen zu holen. Dort kamen wir auch an. Das Problem war nur, dass Daki, anstatt wieder nach Hause zu gehen, lieber den Ort weiter erkunden wollte. Da hat sie mich ganz schön geschickt ausgetrickst. Trotzdem zeigt mir Daki seit diesem Wochenende ohne Ausnahme jede Bordsteinkante an, weil ich sie so oft damit genervt habe, dass sie jetzt definitiv keine Lust mehr auf Wiederholungen hat, da bleibt sie lieber gleich beim ersten Mal stehen, als das Ganze zehnmal zu machen.

Naja, und ab und zu hat Juliana mich auch ausgelacht. Daki geht nämlich manchmal an Treppen, mit den Vorderpfötchen schon auf die zweite Stufe, anstatt auf der ersten stehen zu bleiben. Kein Wunder so lang wie Daki ist. Ich kam dann auf die Idee, Dakis Pfötchen zu nehmen und eine Stufe weiter unten wieder abzustellen. Juliana meinte, ich könnte doch einfach weiter hinten fütter. Tja, daran habe ich nicht gedacht.

Wir arbeiteten uns immer weiter vor. Irgendwann waren wir dann schon in Ulm unterwegs. Nur Baustellen… Aber Daki ist eben ein kleiner Ferrari. Wir kommen immer schnell und Zielsicher überall durch.

Den Weg in Augsburg zur Uni kann Daki mittlerweile schon fast auswendig. Schon in der Einarbeit fand sie den Bahnhof in Augsburg immer großartig. Und das Beste ist, Daki findet immer den richtigen Weg vom Gleis nach oben zum Ausgang. Was daran so besonders ist? Naja, der Bahnhof sieht vorne und hinten komplett gleich aus. Da kann man sich selbst als Sehender nur an den Nummern der Gleise orientieren. Daki kann also entweder Zahlen lesen oder sie ist einfach ein Genie. Immer wenn ich nämlich Leute zur Sicherheit frage, in welcher Richtung die Treppe nach oben liegt, bekomme ich nur zu hören: „Ihr Hund will schon in die richtige Richtung.!“

Meine Daki findet immer neue Dinge. Wer zum Beispiel glaubt, ich müsste im Zug einen Finger rühren, um die Schiebetüren zwischen den Abteilen aufzumachen, der täuscht sich gewaltig. Das übernimmt grundsätzlich meine kleine Maus. Ich habe keine Ahnung, wie sie das rausgefunden hat, aber sie findet es großartig, wenn sich durch ihre Macht allein eine Schiebetür öffnet.

Und noch toller findet sie es, wenn nur wegen ihr Menschen aus dem Weg springen. Das war nämlich bei einer Menge Hooligans der Fall. Daki musste nur ein bisschen ungeduldig dribbeln und böse gucken, da springen die auf die Seite und bilden eine Gasse. Da läuft die kleine Diva dann total selbst bewusst und höchst zufrieden durch.

Das Schlimmste war dann aber die Prüfung. Wir hatten einen super tollen Prüfer. Nur konnte der noch so toll sein, ich habe einfach zu viel Prüfungsangst, vor allem wenn es um so etwas Wichtiges wie meine Daki geht. An diesem Tag war ich für meine Kleine überhaupt keine Hilfe. Ich konnte sie nicht unterstützen, sondern habe sie eher gehindert. Aber zum Glück habe ich einen so tollen Hund an meiner Seite. Und Gott sei Dank war Juliana dabei. Beide haben mich keine Sekunde im Stich gelassen und durch die Prüfung manövriert. Und dann kam der schönste Satz. „Herzlichen Glückwunsch! Daki gehört jetzt dir.“

Jetzt kehrt langsam Ruhe und vor allem Routine bei uns ein. Wir wachsen immer noch enger zusammen. Meine Daki ist immer bei mir, egal wo ich hingehe. Trotzdem vermisse ich hin und wieder die schöne und erlebnisreiche Zeit mit Juliana. Es war zwar sehr anstrengend, aber einfach immer lustig.

Juliana, vielen, vielen Dank, dass du meinen Traumhund soooo toll ausgebildet hast. Mit Daki an meiner Seite hat sich mein Leben komplett verändert. Sie schenkt mir so viel Freiheit, Freude und unendliche Treue. Sie ist zwar manchmal noch ein bisschen frech, aber das bekommen wir auch gut hin. Außerdem werde ich nie wieder stolpern oder in eine Pfütze treten, denn meine Daki versucht sogar, mich um am Boden liegende Blätter herumzuführen.

Liebe Grüße und bis bald,

Vanessa und Daki.