Führhundhalter kommen zu Wort

Manfred und Aikor

 

Bereits vor Jahren interessierte sich mein Mann für einen Blindenführhund. Als Sehrestler wurde ihm damals abgeraten, da man sich wegen der Restseheindrücke nicht so auf den Hund einlassen könnte. Wir schafften uns einen Familienhund, einen Golden Retriever an, der Manfred bei jedem Wetter „aus der Bude lockte“. 2012 musste dieser Hund eingeschläfert werden und ein nicht ausgebildeter Nachfolger kam nicht mehr infrage, da sich der Sehrest deutlich verringert hatte.

Angesprochen von der informativen Internetseite von Gerlinde Haag wünschte er sich einen Hund aus dieser Schule. Der Gang durch die Instanzen der Krankenkasse verzögerte sich durch ein vorab noch notwendiges Mobilitätstraining, im Oktober 2012 war dann aber alles klar, nur der richtige Hund fehlte noch. Eigentlich wurde ein ruhiger Riese gesucht, daraus wurde dann ein quirliger Exot, der eher mittelgroße silberne Labrador Aikor kam im Dezember zu uns. Die Einarbeit mit Frau Vielbusch wurde typisch für die Jahreszeit kompliziert durch Eis und Schnee. Wunderschön waren die Weihnachtsferien, in denen wir uns einfach so aneinander gewöhnen konnten. Danach hieß es aber wieder trainieren und arbeiten. Busfahren, Begleitung zum Sport und zu Arztbesuchen und auch der Freilauf und die Unterordnung bei langen Waldspaziergängen standen auf dem Programm. Ende Januar kam der spannende Prüfungstag und danach gehörten Aikor und Manfred wirklich zusammen.

Inzwischen haben die beiden ihre Wege deutlich erweitert, sind mit dem Zug gefahren und haben den Hauptbahnhof und die Innenstadt sicher gemeistert. Auch Urlaub stand schon auf dem Programm. Mit dem Auto an den Strand in Holland, mit dem Wohnmobil die ersten Touren im eigenen Hundezimmer (wir haben unter dem Doppelbett eine große Hundebox einbauen lassen) und jetzt –nach fast 6 Monaten bei uns- haben wir eine Flugreise gewagt. Aikor hat die Wege am Flughafen souverän gemeistert und den Flug zusammengerollt zu Füssen seines Herrchens verpennt zur Begeisterung der mitreisenden Passagiere.

Eigentlich wollten wir anfangen, mit Aikor das Alleinbleiben in der Wohnung zu üben, denn überall kann er vielleicht doch nicht mit. Wir kommen aber gar nicht dazu, weil wir irgendwie nirgends mehr hingehen, wo Aikor nicht mit kann. Und noch ein Problem gibt es: Dieser Hund will morgens ins Bett und kuschelt sich so unwiderstehlich an, das wir den Kampf möglicherweise irgendwann verlieren. Bisher ist der Kompromiss, die Vorderpfoten dürfen hoch auf die Matratze aber mehr nicht.

Dieser Prachthund ist schon nach den wenigen Monaten nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken und findet auf jedem Gang neue Bewunderer wegen seiner außergewöhnlichen Fellfarbe, seinem lieben und freundlichen Wesen, seinem intelligenten Blick und seiner souveränen Führarbeit (außer es kommt mal ein Bällchen geflogen oder es liegt was leckeres am Weg).

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok