Führhundhalter kommen zu Wort

Anjas Thor



Darf ich mich kurz vorstellen ?

Ich bin Thor  und ich mache meinem Name alle Ehre . Ich bin nämlich für mein Frauchen das T(h)or zur Welt !

Aber ich fange mal von vorne an.

Für mein Frauchen gehörten Hunde schon von Kindheit an zu ihrem Leben. Ihren ersten eigenen Hund hatte sie im Alter von 9 Jahren und von diesem Zeitpunkt an wurde sie immer mindestens von einem Hund begleitet .

Als sie dann vor ca. 27 Jahren von ihrer Augenerkrankung  erfuhr stand für sie fest , das sie irgendwann auch die Hilfe eines Blindenführhundes in Anspruch nehmen möchte .

Ab diesem Zeitpunkt fing sie auch schon an sich speziell über die Arbeit von Blindenführhunden zu informieren.

Es gingen viele Jahre ins Land , das Sehvermögen wurde immer weniger ….und dann kam sie zu uns nach Hause .

Sie sollte mich kennenlernen.

Da sass sie mit Gerlinde im Garten und quatschte .  Die beiden waren sofort auf einer Wellenlänge.Ich spielte mit den anderen Hunden die dort waren, hatte aber immer ein Auge auf die Einfahrt . Ich musste ja schliesslich mitbekommen wenn Juliana , meine Trainerin wieder kommt .

Als  mein jetziges Frauchen mich rief, kam ich zwar kurz, ging aber direkt wieder….ich war so auf Juliana fixiert …das mir alles andere am A…. vorbei ging . Ich beachtete mein jetziges Frauchen so gut wie gar nicht .

Das mir das zum Verhängnis wird, hätte ich selbst nicht gedacht .

Gerade das, fand sie so klasse. Denn sie wusste, genau so, wie ich noch auf Juliana  meine Trainerin fixiert bi , werde ich dann irgendwann auch auf sie fixiert sein.

Nachdem sie dann auch noch von meinen Charakterzügen hörte, das ich ein sehr aktiver Hund bin und das Abenteuer und Action brauche, wusste  sie, das ich der richtige bin.

Tja …das war der Anfang, aber so leicht sollte das alles nicht funktionieren.

Die Krankenkasse meinte leider das mein Frauchen keinen Führhund braucht, weil sie sich im Umkreis von 500 Metern um ihren Wohnort herum ausreichend mit dem  Langstock bewegen kann und die Dinge des täglichen Bedarfs erledigen kann!

Das ist ja fast wie Zwingerhaltung für Menschen!  Wie soll sie denn zu ihren Ärzten kommen,  wie soll sie denn zu ihren Kindern und Enkelkindern kommen die nicht im 500 Meter Bereich liegen?

Hobbys, Freunde oder andere Freizeitaktivitäten, braucht man als Blinder nicht? Traurig !

Mein Frauchen legte Widerspruch ein aber die Krankenkasse blieb bei ihrer Meinung. Auch ein Bericht in der Zeitung und ein Bericht im Fernsehen konnte die Meinung der Krankenkasse nicht ändern.

Da blieb nur die Klage vor Sozialgericht ! Das wurde auch getan. Leider dauert die Bearbeitung bei Gericht meist sehr lange, zwei bis drei Jahre sind keine Seltenheit.

Wie sollte es jetzt weitergehen?

Zum Glück hat Gerlinde solch ein gutes Gespür dafür welcher Hund zu welchem Menschen passt. Denn Hund ist nicht Hund. Mensch ist nicht Mensch. Jeder ist sein eigenes Individium mit seinen eigenen Charakterzügen und Gerlinde versucht die bestmöglichsten Mensch / Hund Teams zusammenzubringen , so auch bei uns!

Für Gerlinde, wie auch für mein Frauchen war klar, das wir beide zusammengehören.

Die beiden beschlossen das wir trotzdem mit der Einarbeitung beginnen .

Juliana führ dann mit mir zu meinem Frauchen und der Ernst fing für uns beide an!

Mein Frauchen dachte immer sie sei konsequent, aber Juliana zeigte ihr wie man 100 Prozentig konsequent ist und verfestigte das in den Wochen der Einarbeitung .

Wir gingen viele Kilometer Wege, alles wurde erabeitet . Wege des täglichen Bedarfs, Wege zu ihrem Kind und Enkelkind, auch Wege für meine persönliche Freizeit und Freilauf, den ich ja auch brauche wurde erarbeitet .

Am meisten hat es mein Frauchen fasziniert wie ich sie durch Menschenmengen an Bahnhöfen, in der Stadt oder auch auf dem Flughafen führe . Da hat sie schon einige male  vor Freude geheult , weil es mit mir um ein vielfaches einfacher ist .

Seitdem ich hier bin traut sie sich auch wieder auf dem Markt einzukaufen und ich bin stolz wie Oskar wenn mich die Menschen bewundern.

Mein Frauchen liebt und braucht mich und ich bin glücklich  für sie zu arbeiten. Wir gehören zusammen …wie Topf und Deckel….wie Ar….auf Eimer !

Wir sind glücklich miteinander und zum vollkommenden Glück fehlt uns nur noch das der Richter des Sozialgerichts in unserem Sinne  , für uns entscheidet .

Denn ich bin wirklich ein sehr grosses T(h) or zur Freiheit und Unabhängigkeit für mein Frauchen!
 

Danke liebe Gerlinde , das du uns trotz allem zusammengeführt hast!

Danke liebe Juliana für die tolle Einarbeit !

 

Liebe Grüsse

Euer Thor

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